Im zweiten Quartal 2026 erholte sich Chinas Exportauftragsindex für Aluminiumprofile den dritten Monat in Folge und kehrte damit den schwachen Trend des ersten Quartals um. Laut Daten des chinesischen Verbandes der Nichteisenmetallindustrie belief sich das Exportvolumen von Aluminiumprofilen in China von Januar bis Mai 2026 auf rund 980.000 Tonnen, ein Anstieg von 8,5 % gegenüber dem Vorjahr. Der Exportwert lag bei rund 4,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 12,3 % gegenüber dem Vorjahr. Haupttreiber des Anstiegs sind der südostasiatische Markt und die nordamerikanische Lieferkette für Elektrofahrzeuge, die zusammen 72 % des Exportwachstums ausmachen.
Infrastrukturbeschleunigung in Südostasien: Neuer Wachstumsmotor für Aluminiumprofilexporte
Die Infrastrukturinvestitionen der ASEAN-Staaten werden voraussichtlich im Jahr 2026 210 Milliarden US-Dollar erreichen, ein Anstieg von 15 % gegenüber dem Vorjahr. Der Bau der neuen indonesischen Hauptstadt Nusantara befindet sich in einer Hochphase, was zu einer starken Nachfrage nach Aluminium für Fassaden, Türen, Fenster und Verkehrsanlagen führt. Vietnam und Thailand haben den Ausbau ihrer Photovoltaikanlagen beschleunigt, wobei die Exportaufträge für Aluminiumprofile für Photovoltaik-Rahmen im Vergleich zum Vorjahr um über 40 % gestiegen sind. Die Schienenverkehrsprojekte in Malaysia und auf den Philippinen schreiten intensiv voran, und das Beschaffungsvolumen für Aluminiumprofile undAluminiumblechehat deutlich zugenommen. Der südostasiatische Markt ist stark von chinesischen Aluminiumprofilen abhängig, hauptsächlich aufgrund unzureichender Aluminiumverarbeitungskapazitäten in der Region, um den Infrastrukturbedarf zu decken, und chinesische Produkte bieten erhebliche Wettbewerbsvorteile hinsichtlich der Kosteneffizienz.
Countdown zu den EU-CO₂-Zöllen: Kostendruck von ca. 80–120 Euro pro Tonne
Der EU-Grenzausgleichsmechanismus für CO₂ (CBAM) tritt 2026 in die umfassende Umsetzungsphase ein, und Aluminiumprodukte werden in den ersten Anwendungsbereich der Besteuerung aufgenommen. Berechnungen der Europäischen Kommission zufolge liegt die durchschnittliche CO₂-Emissionsintensität von elektrolytisch hergestelltem Aluminium in China bei etwa 14,5 Tonnen CO₂ pro Tonne Aluminium und damit deutlich höher als die 6 Tonnen CO₂ pro Tonne Aluminium, die durch inländische Wasserkraftproduktion in der EU erzeugt werden. Ausgehend vom aktuellen EU-CO₂-Preis von etwa 85 Euro pro Tonne CO₂ entstehen für den Export chinesischer Aluminiumprodukte in die EU CO₂-Kosten von etwa 80 bis 120 Euro pro Tonne, was etwa 620 bis 930 Yuan pro Tonne entspricht. Sollten diese Kosten vollständig weitergegeben werden, würde dies die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Aluminiumprodukte auf dem europäischen Markt erheblich schwächen. Einige europäische Abnehmer fordern von ihren Lieferanten bereits Zertifizierungen zum CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte, und der Preisaufschlag für kohlenstoffarme Aluminiumprodukte wird zunehmend deutlich.
Bahnbrechender Weg für Unternehmen: Grüne, kohlenstoffarme und hochwertige Entwicklung
Angesichts des Drucks durch CO₂-Zölle beschleunigen inländische Aluminiumverarbeitungsunternehmen den Aufbau umweltfreundlicher und CO₂-armer Produktionskapazitäten. Yunnan, Sichuan und andere südwestchinesische Regionen nutzen ihre reichhaltigen Wasserkraftressourcen, um integrierte Wasserkraft-Aluminiumprojekte voranzutreiben. Die CO₂-Emissionsintensität von Wasserkraft-Aluminium kann auf unter 8 Tonnen CO₂ pro Tonne Aluminium gesenkt werden, was einer Reduzierung um mehr als 45 % gegenüber thermisch erzeugtem Aluminium entspricht. Darüber hinaus befindet sich die Recycling-Aluminiumindustrie in einer Entwicklungsphase mit einer CO₂-Emissionsintensität von nur etwa 1,5 Tonnen CO₂ pro Tonne Aluminium und weist damit deutliche Vorteile in puncto CO₂-Reduzierung auf. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wird die inländische Produktion von Recycling-Aluminium voraussichtlich rund 7,8 Millionen Tonnen betragen, ein Anstieg von 11,2 % gegenüber dem Vorjahr. Dies entspricht 22 % des gesamten Aluminiumangebots. Im Bereich der High-End-Produkte steigt der Exportanteil von Produkten mit hoher Wertschöpfung wie Aluminium für den Leichtbau im Automobilbereich, Aluminium für die Luftfahrt und Aluminiumfolie für Antriebsbatterien kontinuierlich an, und die Exportproduktstruktur wird schrittweise optimiert.
Inländischer Wettbewerb: Doppelter Druck durch Kapazitätserweiterung und Nachfragedifferenzierung
Die inländische Aluminiumverarbeitungskapazität wächst weiter. Im ersten Halbjahr 2026 wird die Produktionskapazität für neue Aluminiumprofile voraussichtlich bei rund 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr liegen, die Gesamtproduktionskapazität wird 45 Millionen Tonnen pro Jahr übersteigen, während der tatsächliche Verbrauch bei rund 42 Millionen Tonnen pro Jahr liegen wird. Die Überkapazitäten bleiben bestehen. Der verschärfte Wettbewerb hat zu einem kontinuierlichen Druck auf die Verarbeitungskosten geführt. Die Verarbeitungskosten für Standard-Aluminiumprofile für den Hochbau sind auf etwa 2.500 bis 3.000 Yuan pro Tonne gesunken, ein Rückgang von rund 40 % gegenüber dem Höchststand im Jahr 2020. Die Gewinndifferenzierung der Unternehmen nimmt zu, und der Marktanteil großer Unternehmen mit CO₂-armen Technologien, hochwertigen Produkten und einer kaufkräftigen Kundschaft wächst weiter. Der Spielraum für kleine und mittlere Verarbeitungsbetriebe verringert sich dadurch zunehmend.
Die Exportaufträge für Aluminiumprofile haben sich drei Monate in Folge erholt, was auf eine leichte Verbesserung der Auslandsnachfrage hindeutet. Haupttreiber sind dabei die Infrastrukturprojekte in Südostasien und die Lieferketten für Elektrofahrzeuge in Nordamerika. Die vollständige Einführung der EU-CO₂-Zölle steht jedoch unmittelbar bevor, und die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich kohlenstoffarmer Technologien wird entscheidend für den Erfolg exportierender Unternehmen sein. Inländische Aluminiumverarbeitungsbetriebe müssen ihre Transformation hin zu umweltfreundlicheren und kohlenstoffarmen Technologien beschleunigen und ihre Exportproduktstruktur optimieren, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Veröffentlichungsdatum: 16. Juli 2026
